Rid-Zwillinge beim MTV Dießen wieder vereint
Es gleicht einer klassischen Fußball-Romanze – beinahe schon etwas kitschig. Doch beim MTV Dießen wird es nun Realität. Nach Christian Rid, der sich im vergangenen Winter dem A-Klassisten angeschlossen hatte, kehrt nun auch Stefan Rid, sein Zwillingsbruder, von der FT Jahn Landsberg in die Heimat zurück. Sobald die Saison in Bayern also fortgesetzt wird, stehen die Rid-Zwillinge wieder gemeinsam auf dem Platz und wollen mit dem MTV einiges erreichen.
„Es war immer unser Ziel, bevor wir aufhören, noch einmal zusammenzuspielen, und jetzt sind wir in den besten Jahren“, sagt Christian Rid. Er war es auch, der mit seinem Wechsel nach Dießen die Initiative ergriffen hatte. „Wir haben alleine dann viel über den MTV gesprochen“, erzählt er. Die Corona-bedingte Pause war es schließlich, die Stefan zum Nachdenken brachte. „Man hat in Dießen einiges mitbekommen, hier ist was möglich, alleine durch die Qualität des Spielertrainers Philipp Ropers“, sagt Stefan Rid. Daher nahm er auch den Wechsel von Jahn Landsberg aus der Kreisliga nach Dießen in die A-Klasse auf sich. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt der 27-Jährige.
In Landsberg spielte Stefan Rid die vergangenen fünf Jahre. Dort stand er auch für kurze Zeit ein letztes Mal mit seinem Bruder auf dem Platz. Zuvor war Stefan Rid für Oberalting und Raisting aktiv, nachdem er den MTV 2012 nach einem halben Jahr im Herrenbereich verlassen hatte. Durch die vergangenen Jahre bei anderen Vereinen habe er nicht unbedingt damit gerechnet, nochmal für den MTV Dießen aufzulaufen. „Aber natürlich weiß man, wo man hingehört. Jetzt zählt auf jeden Fall wieder, alles für den Heimatverein zu geben.“
Ziel der Rid-Zwillinge ist der Aufstieg in die Kreisklasse. Das sieht auch Trainer Philipp Ropers so, der den Werdegang der Brüder stets verfolgt hatte. Am liebsten möchte er noch bis Sommer 2021 in die Kreisklasse kommen. „Im ersten Schritt möchten wir natürlich über die Liga aufsteigen“, sagt Ropers. „Und ich denke, dass wir auch gut genug sind, um noch mindestens ein Team vor uns abzufangen.“ Derzeit stehen die Dießener auf dem dritten Platz. Ansonsten sei der Ligapokal, der wohl als Zusatzprogramm ausgespielt wird, eine gute Möglichkeit, um aufzusteigen.
Mit den Rid-Zwillingen haben sich die Dießener für diese Aufgabe schon einmal namhaft verstärkt. Dazu kommt der Brasilianer Lucas Carvalho, der nach einer Saison in Pullach an den Ammersee zurückkehrt. Ropers sagt, es sei ein Teil des Dießener Weges, erfahrene Spieler zurückzuholen, die ihre Wurzeln beim MTV haben. Dazu kommt, dass in diesem Sommer zehn Jugendspieler aus der A-Jugend kommen. „Einige werden erst einmal eher in der zweiten Mannschaft eingesetzt, aber manche können die Erste sofort richtig gut verstärken“, so der Trainer. Auch einen Aufstieg der Reserve hält er daher für realistisch.
Die nahe Zukunft der Dießener Männer sieht also rosig aus. „Wir haben uns generell als Mannschaft gut entwickelt“, sagt Ropers. „Christian und Stefan sind Top-Spieler, die uns sportlich verstärken und auch menschlich gut passen.“ Jetzt müssen die Dießener das auch auf den Platz bringen, doch dafür muss erst einmal wieder gespielt werden dürfen.

Endlich wieder Rasen unter den Füßen
Sofort stieg einem der Duft von frisch gemähtem Rasen in die Nase. Die Temperaturen bewegten sich um angenehme 20 Grad Celsius und die Sonne verschwand gemächlich am Horizont. Es war ein herrlicher Abend am vergangenen Dienstag und für die Fußballer des MTV Dießen wurde er sogar noch besser. Das erste Mal überhaupt in diesem Jahr durften die Herrenmannschaft des MTV sowie die U19 im heimischen Ammerseestadion trainieren, nachdem das Mannschaftstraining aufgrund der Corona-Pandemie seit Mitte März ausgesetzt worden war.
„Ich habe mich sehr gefreut, die Spieler nach zwei Monaten wieder live zu sehen und nicht nur auf dem Bildschirm“, sagt Philipp Ropers, Trainer beider Mannschaften. Seit dem 11. Mai ist in Bayern das Ausüben von Individualsportarten mit bis zu fünf Personen im Freien wieder erlaubt. In diesem Zuge durften auch die Fußballmannschaften das Training wieder aufnehmen - vorausgesetzt, die Kommune gab den Platz frei. Außerdem müssen sich die Sportler an ein umfangreiches Hygiene-Konzept halten. Um das genauestens vorbereiten und umsetzen zu können, setzten sich die Dießener nicht unter Druck, sondern starteten mit Bedacht eine Woche später als möglich.
Training unter strengen Auflagen
So müssen beispielsweise auch im Training mindestens 1,50 Meter Abstand zueinander eingehalten werden. Eine Kleingruppe darf maximal aus fünf Personen bestehen und insgesamt dürfen nicht mehr als vier Gruppen gleichzeitig auf dem Platz trainieren. Die Kabinen bleiben geschlossen. Alle Spieler kommen umgezogen am Platz an und verlassen ihn umgehend nach Trainingsende wieder. Kopfbälle sowie das Aufnehmen von Bällen mit der Hand müssen unterlassen werden, und nur der Trainer fasst die Trainingsmaterialien an.
„Was die Trainingsorganisation und die Trainingsinhalte angeht, ist es sicherlich etwas anderes“, sagt Ropers. Mehr Gedanken als sonst musste er sich für die Einheit machen, um allen Regeln gerecht zu werden. Auch der Aufbau sei für den 26-Jährigen aufwendiger gewesen. Unterstützt wurde Ropers in beiden Mannschaften von einem Co-Trainer. So schreiben es die Regeln vor. Dennoch sieht der Coach einige positive Aspekte: „Gerade im technischen Bereich, Passspiel, Torabschluss und auch in kleinen Wettkämpfen kann man mit dem gebotenen Abstand das ein oder andere trainieren.“
Spieler freuen sich über Trainings-Re-Start
Bei den Spielern kam der Re-Start gut an. Zwölf A-Jugendliche trainierten, ehe 15 Spieler der Männermannschaft das Training wieder aufnahmen – zeitlich so versetzt, dass auch bei An- und Abreise keine Berührungspunkte entstehen konnten. Die Stimmung war dabei durchwegs positiv. „Das ist definitiv besser, als alleine durch den Wald zu joggen“, sagt Sprecher Phillip Plesch. Dass die Fußballer allerdings nun zwei Monate nicht mit Ball trainiert hatten, machte sich an der ein oder anderen Stelle doch bemerkbar. Bis es wieder um Punkte geht, haben die Dießener noch genug Zeit, sich wieder mit dem Spielgerät anzufreunden. Nach aktuellem Stand soll die laufende Saison frühestens im September fortgesetzt werden. Daher beschränken die Dießener das Mannschaftstraining fürs Erste auf eine Einheit pro Woche. Auf die freuen sich die Spieler dafür umso mehr. Zusätzlich bietet Ropers seinen Spielern jede Woche ein Individual- oder Kleingruppentraining an. Abgesehen von den Trainingseinheiten bleiben die Sportplätze und die Soccerbox in Dießen übrigens weiterhin geschlossen.